Aus meiner zweiten zufälligen Begegnung mit diesen Tierchen stammt das nachfolgend abgebildete Exemplar.
Dieses Tier wurde von mir phoretisch an einer Stubenfliege angetroffen und zwar – nachdem ich letztere mittels Klatsche dauerhaft auf den Küchentisch gebannt hatte! Schwer angeschlagen verließ daraufhin der blinde Passagier seinen zerstörten Flieger und taumelte über die weiße Arbeitsplatte, was meinen wachen Augen selbstredend nicht verborgen bleiben konnte. Mein Interesse war erneut geweckt!
Lamprochernes nodosus
ein augenloser Pseudoskorpion mit gedrungen kräftig gebauten Pedipalpenarmen und großem hinteren Laufbeinpaar. Man beachte die Milbe auf dem Abdomen (Mitte unt.), von der sich noch drei weiteren auf der Ventralseite befinden.
Phoretisch an einer Fliege; der Fliege wird dabei nicht geschadet, sondern sie wird nur als Transportmittel gebraucht.
Die Länge (L) des abgebildeten Tieres beträgt 1.495mm (ohne Pedipalpen; die Milbe mißt 155µm).
Drei Lamprochernes nodosus
ebenfalls phoretisch an einer (!) Fliege angetroffen. Die äußeren Exemplare von dorsal, das mittlere von ventral abgebildet. Die für Chernetiden typische halbrunde Form, sowie die doppelte Querfurchung des Prosomas, sind hier gut zu erkennen; Augen fehlen.
Maße von links nach rechts
L: 1.678mm
L: 1.763mm
L: 1.636mm
Seit meiner ersten Begegnung mit einem Vertreter der Klasse waren ein paar Jahre vergangen und mittlerweile kannte ich Stellen, an denen ich immer ein paar Tiere antreffen konnte. Aus dieser Quelle wurde meine "Skorpionzucht" aufgebaut, an der ich dann Verhaltensstudien betrieb.
Jedem der noch nie gesehen hat, wie sich zwei Cheliferiden an den Scheren halten und einen typischen Skorpion-Paarungstanz hinlegen, sei empfohlen das nachzuholen. Ganz bestimmt ein kleines Naturwunder im sprichwörtlichen Sinne!
Chelifer cancroides
der typische Bücherskorpion, mit langen schlanken Pedipalpenarmen- und Scheren. Winzige Augen sind als helle Stellen direkt oberhalb der Pedipalpen-Coxa gerade noch erkennbar.
Zusammen mit ein paar weiteren Exemplaren von mir über einige Monate gehältert. Die Ernährung erfolgte hauptsächlich mit Collembolen (Springschwänzen) und ist relativ unproblematisch sicherzustellen, wenn man wie ich, über eine natürliche Collembolen-Population auf flotierenden Blättern im Aquarium verfügt ...!
Das abgebildete Tier hat eine Kopf-Rumpflänge von L: 1.889mm
Disartikulierte Reste eines großen Chelifer Männchens (L: 3.03mm). Das Männchen ist an den spitz ausgezogenen Seiten der Tergite erkenntlich. Erahnen läßt sich die gekörnelte Mikroskulptur des Skeletts. Gut erkennbar sind die in charakteristischer Weise ausgebildeten hellen Augen.
Detailvergrößerung der Pedipalpenschere (auch Pedipalpenhand) von Chelifer. Am Ende des beweglichen Fingers der Schere mündet eine Giftdrüse, mit der die ergriffene Beute betäubt werden kann.
Länge der Schere: 1.79mm
Detailvergrößerung des Prosoma von Chelifer mit gut erkennbarer gekörnelter Mikroskulptur. Die in charakteristischer Weise ausgebildeten Augen, sowie die Querfurchen sind gut erkennbar. Das "Dreieck" am Vorderende wird von den Cheliceren gebildet; die Pedipalpen fehlen.
Länge bis in die erste Querfurch des Prosomas: 705µm
Hier die Chelicere eines Chelifer Weibchens mit der stattlichen Größe von L: 3.55mm.
Der bewegliche Finger der Chelicere befindet sich unten. Die Cheliceren übernehmen bei den Pseudoskorpionen die Funktion der "Mundwerkzeuge". Die Cheliceren (gr. χηλη = Schere) bilden das gemeinsame Merkmal der Chelicerata und nach ihnen ist diese Klasse der Arthropoden benannt, nicht etwa nach den großen und augenfälligen Pedipalpenhänden (s.oben).
An den Cheliceren münden Spinndrüsen; mittels Spinnfäden bauen sich die Pseudoskorpione verschiedene Arten von Nestern.
Die abgebildete Chelicere mißt 310µm
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