Die dümmsten Schützen treffen häufig am besten!?
Aus anderem Zusammenhang kennt jeder den Ausspruch: "Dumm b*mmst gut!"
Warum?!? Weil es in beiden Fällen nur stört, wenn das Hirn arbeitet und sich mit anderen Problemen beschäftigt bzw. ablenken läßt! Bogenschießen ist zu 90% eine mentale Angelegenheit – manche sagen sogar zu 95% ! Ein ruhiges Gemüt und ein klarer Geist (d.h., sich im 'Reinen' befindlicher) wirken Wunder was die Treffer-Lagen anbelangt! Ein störrischer, mißmutiger und unbelehrbarer Verstand stören dagegen sehr! Ich gehöre zur letzteren Gattung, aber das zu hören wundert sicher niemanden mehr, oder?!
Zur erfolgreichen Bogenjagd unabdingbar ist: der Wunsch zu Töten! Lest es ruhig noch einmal! Es ist genau so wie ich es geschrieben habe! Wer sich mit Selbstzweifeln trägt, ob der Kreatur die es zu erlegen gilt oder anderweitig, der wird mit Fehlschüssen rechnen müssen, die unweigerlich eintreten und ihn im Nachhinein noch mehr belasten und besagte Selbstzweifel verstärken ... ein Teufelskreis!
Das oben gesagte gilt ganz besonders für den reinen "Instinktiv-Schützen", dem kein Visier oder ein irgendwie geartetes System eine Ziel-Kontrolle liefern könnte! Aber auch mit Visiereinrichtung ist es immer noch problematisch genug, wie so viele mit der Waffe (auch auf kurze Distanzen) angeschweißte Tiere belegen!
Das Problem ist ein gesellschaftliches! Wir sind erzogen die Kreatur und die Natur zu achten (hoffentlich!) und genau DAS steht uns hier im Weg! Wer erstmals in fremde Länder fährt, um mit dem Bogen zu jagen, dem genügt es oft die ihm unbekannte Natur nur zu beobachten. Der Wunsch etwas zur Strecke zu bringen ist zwar latent vorhanden und durch die hohen Kosten der Veranstaltung quasi diktiert, aber er tritt nicht selten in den Hintergrund gegenüber der Bewunderung für das neue, atemberaubende Schauspiel der fremdländischen Flora und Fauna. Damit ist das Problem aber leider schon manifestiert!
Aus eigener (leidlicher) Erfahrung kann ich sagen, daß es hier nicht im geringsten hilfreich ist ein guter Scheibenschützen (3D) etc. zu sein! Technik, Ausrüstung, alles ist vollkommen egal (ich setzte vorraus, man beherrscht die grundsätzlichen Abläufe)! NUR der unbedingte Wunsch das Tier zu töten, das man vor sich sieht, oder ein vollkommen automatisches und darum ungestört von den eigenen Gedanken ablaufendes Handeln, führt zum Erfolg!
Selbst jahreslanges Training kann einen nicht auf diese Situation vorbereiten! Daher ist es in meinen Augen auch vollkommen unsinnig für den Bogenjäger eine Schießprüfung auf 3D-Viecher einzufordern. Die Aussagekraft ist gleich NULL! Sie erfüllt lediglich eine Alibifunktion gegenüber Kritikern, das ist alles! Für die Bogenjagd gilt in ganz besonderem Maße, daß sie nur durch "learning by doing" zu meistern ist. Die wenigen Ausnahmen von dieser Regel, die ich bisher gesehen habe waren entweder:
a) alte erfahrene Gewehrjäger, oder
b) Dummköpfe, oder
c) völlig gewissenlose Zeitgenossen
Die tollste Sache die ich diesbezüglich vor einigen Jahren selbst erlebt habe war sicher die "erfrischende Dummheit" eines süddeutschen Bogenjägers in Spanien, dem es nicht das geringste ausgemacht hat mit ungeschärften Broadheads auf Rotwild zu jagen! Scheinbar hat er es einfach nicht besser gewußt! Darum hat es ihn auch nicht belastet ... und er lief quietschfidel durch die Sierra Morena, um Beute zu machen!
Etwas gewissenhaftere Personen finden dagegen nicht in den Schlaf wenn sie es nicht schaffen (wie zu fordern!) sich mit ihren Broadheads die Haare in einem Wisch vom Unterarm wegzurasieren. Sie gehen verunsichert auf die Pirsch und schießen dann auch dementsprechend schlecht. Eine unbelastete Einstellung kann sehr hilfreich sein, um im Moment der Wahrheit einen sicheren Schuß anzubringen, aber NIEMALS sollte man derart sträflich seine Vorbereitungen vernachlässigen wie oben geschildert!
gesellschaftliche Beobachtungen
Solange ich noch auf 3D-Turnieren präsent war, mußte ich mich jahrelang von Leuten anfeinden lassen, denen mein Zuggewicht, meine Baumstämme (23/64" Schäfte), meine mächtigen Feldspitzen (min. 160gr) usw. nicht gefallen haben, und die mir immer wieder mit ihrem "braucht man nicht! wozu soll das gut sein? typischer Macho-Quatsch! Du machst Dir nur die Knochen kaputt!" etc. bla bla gekommen sind. Hier muß ich mal ganz klar auf ein paar Irrwege in der dt. Turnier-Szene hinweisen, soweit es den bogenjagdlich motivierten Schützen betrifft. Es ist erbärmlich, daß man sich da ständig zu rechtfertigen hat, vor Leuten die ja gemeinhin sooo tolerant sind, ja, solange niemand eine andere Meinung hat!
Für meine Zwecke reicht es nicht, wenn nur die Pfeilspitze solange im "Kill" stecken bleibt, bis die Punkte aufgeschrieben sind!
Die tollsten Turnier-Schützen mag man ob ihrer Konsistenz und Technik bestaunen und bewundern. Möglicherweise haben sie auch die besten Vorraussetzungen, um jagdlich erfolgreich zu sein, aber das ist nicht gesagt und hat schlicht überhaupt nichts miteinander zu tun. So gesehen geht es mir am Ar... vorbei, wenn einer mal einen "Weltmeistertitel" im LB auf irgendeinem Platz zusammengeschossen hat und mit mir hier und da nicht konform geht. Weltmeistertitel finde ich nicht erstrebenswert und die ganze Kompetition nimmt mir den Spaß an der Sache. Aber wer es für sich braucht, bitte sehr! Ich möchte mich beim Schießen entspannen und auch einmal schlecht schießen dürfen. Streß gibt es genug und auf äußeren kann ich wirklich verzichten – sowie auf dogmatisch belehrendes Gewäsch von Emporkömmligen, die noch nicht einmal ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Unsere heimischen 3D-Turniere erziehen in die völlig falsche Richtung und haben mit Bogenjagd nichts zu tun. Wer letzteres vor hat, der sollte Turniere meiden. Außerdem ist die Bogenjagd eine einsame und stille Angelegenheit und keine Massenveranstaltung.