Buchbesprechung

TREDE, T. (1999): Lehrbuch der Bogenjagd. – 172 S., Abb.; Braunschweig (Venatus)
– ein anspruchsvoller Titel! Wird das Werk dem Titel gerecht? Kurz und knapp: Nein!

Thorsten TREDE
  • schreibt fast ausschließlich für den Compound-Schützen
  • stellt zu viele Bezüge zur Gewehrjagd her und schließt damit in dieser Beziehung unbedarfte Leser aus
  • ist sprachlich wenig gewandt, oft ungenau in den Formulierungen und schreibt manch überflüssigen Satz
  • gebraucht in seinem Bemühen möglichst alles auf Deutsch zu schreiben Wortneuschöpfungen, die vollkommen überflüssig und z.T. auch irreführend sind (etwa "Anschlagpunkt" für Ankerpunkt). Längst auch in den dt. Bogensport übernommene Begriffe aus dem französischen oder englischen werden durch dt. ersetzt – wozu?
  • fehlt scheinbar hier und da selbst das notwendige Hintergrundwissen, um etwa technisch wichtige Details didaktisch aufbereiten und vermitteln zu können. So ist beispielsweise seine Erklärung des überaus wichtigen und oft alles entscheidenden "Spine"-Begriffs mehr als dürftig. Dem Anfänger fällt vermutlich nicht auf, daß es sich hier um die grundlegende "Konstante" im ganzen Bogenschießen handelt. Dafür wird er mit technischen Details moderner Pfeilauflagen, Visiere etc. traktiert, die nun wirklich zweitrangig sein sollten.
  • verwendet zu kleine Abbildungen von zumeist schlechter Qualität
  • gibt kein Literaturverzeichnis oder weiterführende Literatur an

Ich vermisse die für ein Lehrbuch unabdingbare Breite des zu vermittelnden Wissens! Anstatt sich mit persönlichen Präferenzen zu beschäftigen muß man von solch einem Werk doch erwarten dürfen, daß es alle Bereiche gleichermaßen ausleuchtet und Gesetzmäßigkeiten sowie Prinzipien für jeden Punkt herausarbeitet. Das geht nicht auf 172 Seiten von Taschenbuchformat (14.8x21cm), das ist einmal klar. Die Wahl des Buchtitels geht möglicherweise auf den Verleger zurück – wie auch immer – man hätte besser getan sich nicht derart weit aus dem Fenster zu lehnen!
Außer der für dt. Leser vorteilhaft erscheinenden Sprach, bietet es fast nichts, das man nicht besser aufbereitet und in umfassenderen Zusammenhang gestellt in vielen der alten englischsprachigen Werke längst zur Verfügung hatte. Das Buch kostet momentan 14.95 .

Mein Urteil: Sicher kein Lehrbuch! Es ist ungeeignet für den traditionell ambitionierten Schützen und ganz allgemein nicht ausführlich, tiefgründig genug. Es bietet gleichwohl einen Einblick in die besonderen Anforderungen, die an den Bogenjäger gestellt werden und kann für solche Leser interessant sein, die wirklich kein Englisch können und auch nicht den Mut haben einmal ein solches Buch unter Zuhilfenahme des Wörterbuchs zu versuchen. (Wer im Ausland zur Bogenjagd geht – und was bleibt einem sonst – wäre allerdings gut beraten sein Englisch zu üben.)

TREDE, T. (1999): Lehrbuch der Bogenjagd. – 172 S., Abb.; Braunschweig (Venatus)


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