Bau einer Armbrustsehne
Sehnengalgen
Ein handelsüblicher Sehnengalgen für Bogensehnen läßt sich oft nicht derart verkürzen, daß eine Armbrustsehne darauf gewickelt werden könnte – da hilft nur selber machen. Ich gebrauche nun seit 20 Jahren ein grobschlächtig aus einem Kantholz, zwei Eichenbrettern und ein paar Gewindestangen gemachtes Exemplar, daß im Laufe der Zeit sich als extrem widerstandsfähig und besonders anpassungsfähig erwiesen hat. Ein echter Beweis für den Ausspruch: Nichts hält länger als ein Provisorium!
Als ersten Schritt bei der Arbeit schließt man sich am besten in der Werkstatt ein und sorgt dafür, daß wirklich niemand stört. Am Beginn der Sehne läßt man gut 2m Garn überstehen, denn das wird man später noch brauchen (s.unt.).
Beim Wickeln des Garns ist größter Wert auf die gleichmäßige Spannung der Einzelfäden zu legen. Als wäre das an sich nicht schon schwierig genug, ergibt sich dabei noch ein weiteres Problem. Jeder kennt das Phänomen des Druckverbands, der mit zunehmender Wicklung wie von selbst immer fester wird!? Welcher Machart der Sehnengalgen letztendlich auch immer ist, es muß in jedem Fall sicher gestellt sein, daß hier nicht das gleiche geschieht und der Galgen sich mit steigender Wicklungzahl nicht immer weiter in Richtung Mitte verbiegt. Die einzige Lösung die ich bisher dafür gefunden habe ist, mir für jede Sehne eine passende Dachlatte zurechtzuschneiden, die ich als Versteifung in den Galgen klemmen kann (s.Abb.).
Wickeln des Garns
Für moderne Sehnen bietet sich Dacron B50 an und darüber brauche ich hier nicht viel zu sagen. Für authentische Armbrustsehnen benutze ich Leinenzwirn. Im gezeigten Beispiel handelt es sich um Buchbinderleinen, wie er von Payne-Gallwey (1903) empfohlen worden ist. Ist das Garn nicht gewachst, so geschieht diese beim Wickeln eines jeden Einzelfadens. Ich verwende hierfür nur reines Bienenwachs.
Um die gleichmäßige Spannung zu wahren bedeutet dies leider, daß man das Garn durch einige Schläge um den Galgen sichern muß – etwas mehr als zweifache Sehnenlänge von der Spule abwickeln muß – diese Strecke nun wachsen kann – wieder auf die Spule wickeln muß – Sicherungsschläge lösen – Garn um den Galgen legen – neue Sicherungsschläge – nächsten Abschnitt wachsen – usw. usf. etc. pp. – das kostet natürlich sehr viel Zeit! Das zeitraubende Wiederaufwickeln des Garns ist nötig, damit es nicht in Kontakt mit dem Boden kommt und sich am Wachs keine Partikel (Sand, Staub, Holzspäne o.ä.) festsetzen können, die die Sehne später von innen heraus angreifen könnten.
Man braucht unbedingt eine Halterung für die Garnspule, denn man könnte trotz verschlossener Tür aus irgendeinem Grund gezwungen sein das Wickeln zu unterbrechen und dann muß die Spule sicher, sauber und unter Spannung des Garns abzulegen sein. Ein weiterer Zapfen des Galgens und ein paar starke Gummibänder bieten sich bei mir als Spulenhalter an.
Bei hohen Strangzahlen sollte man eine Strichliste führen damit man sich nicht verzählt, was durchaus vorkommen kann. Zusätzlich zur Strichliste hat es sich als nützlich erwiesen bei einer gewissen Anzahl, z.B. alle 100 Strang, einen seidenen Faden (s.Abb.) unter das Garn zu legen – nur so zur Sicherheit. Wer einmal über 100 Strang wieder hat aufnehmen müssen, der wird ganz sicher verstehen was ich meine ... 
Eine geringe Strangzahl läßt sich auf einem zylindrischen Zapfen wickeln. Ab einer gewissen Stärke der Sehne geht das nicht mehr, denn hier spielt jetzt der Sehnenumfang mit in die Fadenlänge hinein.
Für einen normalen Sehnengalgen benötigt man unbedingt Kernspulen mit rundem Querschnitt für die Öhrchen der Sehne. Nur so läßt sich das Garn gleich in Form der fertigen Sehne wickeln und es kommt zu keiner längenmäßigen Verschiebung einzelner Stränge beim abschließendem Zusammenfassen und Umschnüren der Sehne.
Ob man das Garnende und seinen Anfang beide an einem Öhrchen der Sehne liegen hat, oder sie auf die Enden verteilt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Aus praktischen Gründen spricht jedoch einiges für die letztere Variante, denn so läßt sich beidseitig mit den losen Enden der gesamte Bereich der Öhrchen in weiten Umgängen umwickeln, um später die Einzelstränge zusammenzuhalten. Mit einer abschließenden Wicklung über beide Äste des Sehnenkörpers wird das Garnende gesichert und gleichzeitig das Öhrchen geschlossen. Hoffentlich hat man sich zu Beginn der Arbeit am Anfang des Garns einen genügend langen Überstand belassen?!
Umwickeln/-schnüren der Öhrchen und des Sehnenkörpers
Die relativ dünne Sehne für eine moderne Recurve-Armbrust umwickelt man analog einer Bogensehne und kann dazu auch die üblichen Serving-Tools (Wickelgeräte) benutzen. Vielfach aufwendiger ist dagegen die Wicklung an einer auf mittelalterlich getrimmten Replik oder einer authentischen Sehne. Eine solche Wicklung wird komplett von Hand gemacht. Üblicherweise wird auch in jedem Turn ein Richtungswechsel mit einem "Knoten" (Überschlag) vorgenommen. So ergibt sich das charakteristische Aussehen dieser Sehnen. Die Knoten halten die Wicklung fest an Ort und Stelle und dienen nicht nur der Zierde. Da es sich nicht um einfaches Abwickeln von Garn handelt und dieses zudem relativ stark ist, kann man auch von Umschnürung sprechen.
Während das Wickelgarn bei der modernen Armbrustsehne ebenfalls ganz normal aus dem Bogensport stammt und kaum dicker als das Sehnengarn selbst ist, wird bei der mittelalterlichen Sehne ein deutlich dickeres Garn verwandt. Im gezeigten Beispiel handelt es sich um naturgrauen Leinenzwirn der die Stärke von Paketschnur hat. Wie in der Abbildung weiter oben auf der Seite zu sehen, muß man sich einen recht ordentlichen Vorrat auf ein Weberschiffchen legen (die Menge auf dem Foto ist nicht ausreichend!), wenn die komplette Sehne in einem Zuge umschnürt werden soll, was in jedem Fall anzustreben ist.
Soll das Öhrchen mit einer Hilfsschlaufe verstärkt werden, dann muß das jetzt erfolgen. In diesem Fall sollten auch die Abschlußwicklungen des Sehnengarns besonders sorgfältig, fest und von der Länge her gleich ausgeführt sein. Sie bilden das Widerlager der Hilfsschlaufe. Um Raum zum Arbeiten zu schaffen muß eventuell die Dachlatte etc. entfernt werden. Man teilt die Sehne und wickelt die nötige Anzahl an Strängen zwischen dem Galgen und dem der Sehnenmitte zugewandten Teil der primären Abschlußwicklung. Auf gleichmäßige Spannung achten und wieder mit einer weitständigen Wicklung um den Öhrchenbereich abschließen.
Ob Sehne mit Öhrchenverstärkung oder nicht, die Umschnürung bleibt vom Prinzip her die selbe. Jetzt wird die Kernspule aus dem Öhrchen entfernt. Die Sehne hängt dann nur noch lose über dem Galgen. Man achte darauf, die Stränge im Sehnenkörper möglichst nicht durcheinander zu bringen. Die Umschnürung startet mit wenigen Turns (keine Knoten) auf dem Sehnenkörper, dort, wo sich das Öhrchen schließt. Mit Hilfe des Weberschiffchens umschnürt man jetzt das gesamte Öhrchen, wobei man bei jedem Durchstechen den Faden unterfährt, die Schlaufe festzieht (knotet) und dann in Gegenrichtung weitermacht. Die Abbildung rechts verdeutlicht den Verlauf sehr gut. Die Knotenreihe soll das Öhrchen in einer Ebene liegend, auf dem äußeren Umfang, umlaufen.
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Ist die Umschnürung des Öhrchen soweit fertig wie in der Abbildung links zu sehen, geht man mit dem Garn über beide Äste, jedoch vorerst ohne dabei "Knoten" anzubringen. Mit wenigen festen Umgängen wird, von der Mitte her kommend, das Öhrchen soweit geschlossen wie das gewünscht ist.
Am äußersten Punkt angelangt, wird das Garn dann wieder unterfahren und ordentlich festgezogen (geknotet). Im Gegensatz zum Vorgehen in den Öhrchen wird aber von nun an nicht jedesmal die Richtung der Umgänge gewechselt, sondern immer in einer Richtung gearbeitet. Die gewünschte und optisch ansprechende spiralige Knotenreihe ergibt sich dabei fast wie von selbst.
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Eine provisorisch angebrachte weitgängige Umwicklung des Hauptteils der Sehne (s. links) hält die Einzelstränge in einem Verbund und verhindert, daß man sich beim Arbeiten versehentlich darin verheddert und dabei – schlimmstenfalls – noch einen Strang durchreißt! Das Provisorium wird in dem Maße zurückgebaut, wie es mit der Umschnürung voran geht und nicht etwa einfach mit eingearbeitet.
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Von den Öhrchen kommend, wird ein guter Teil der Sehne nur in weiten Umgängen umwickelt. Auf diese Weise wird sowohl Garn als auch Gewicht eingespart aber trotzdem sichergestellt, daß die Einzelstränge sich nicht trennen können. Die Mittenwicklung beginnt und beendet man mit kurzen geknoteten Abschnitten. Diese halten sie am Platz und verhindern, daß sich die Mittenwicklung langsam in die weitständig umwickelten Bereiche hinein auflöst. Der zentrale Bereich wird nur in festen engen Windungen umwickelt.
Der Endknoten für den sicheren Abschluß der Wicklung
Na hört mal! Ein paar Geheimnisse muß ich doch auch für mich behalten dürfen, nicht wahr?!
Abflämmen
Im Gegensatz zu synthetischen Garnen, bei denen ich das grundsätzlich ablehne, darf man bei einer Leinenumschnürung wie hier, die herausstehenden Fasern (siehe Abb.) durch vorsichtiges Abflämmen entfernen. Man verwendet eine weiche und nicht rußende Flamme. Etwas entzündeter Spiritus oder eine Lötlampe mit fast leerer Kartusche eignen sich sehr gut.
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